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An die Bestien glauben

Mo, 7. Sept. 2026 · 19:30

HaDivadlo, Brünn

An die Bestien glauben — HaDivadlo, Brünn

"Schreibst du über den Bären, über dich selbst oder über uns?"

August 2015. Kamtschatka. Die Anthropologin Nastassja Martin wird während einer Forschungsexpedition von einem Bären angegriffen. Sie überlebt mit einer schweren Kieferverletzung. Der verletzte Bär, den sie mit einer Eispickel geschlagen hat, flieht zurück in die Wildnis.

Dieses Ereignis markiert den Beginn eines Heilungsprozesses, von dem Nastassja in der autobiografischen Prosa An die Bestien glauben Zeugnis ablegt. Sie beschreibt die Heilung ihrer Wunde und ihrer Welt, die zwischen der vulkanischen Landschaft Kamtschatkas und der sogenannten "westlichen Zivilisation" zerrissen ist. Eine außergewöhnlich offene Aufzeichnung des inneren Kampfes ist eine Verteidigung der Verletzlichkeit als wesentliche Voraussetzung für Verständnis und eine Erforschung der Grenzen des "Menschseins".

Ferne Heimaten und unterschiedliche Interpretationen von Ereignissen, die surreale Welt des russischen Gesundheitswesens und die Sterilität westlicher Krankenhäuser, Therapie, Zeit mit der Mutter und Wiedersehen mit den Ewenken — um die Begegnung mit der Bestie zu verstehen, muss Nastassja einen Dialog mit ihren Lieben, mit ihrem Unbewussten und mit der Landschaft des Bären führen. An ihrem Kiefer führt westliche Chirurgie einen Dialog mit dem sibirischen Bären; ein von Andersheit gezeichnetes Gesicht öffnet den Weg zu innerer Transformation und der Suche nach einem Zwischenraum. Wie übersetzt man die Erfahrung einer transformativen Begegnung mit Alterität in die eigene Sprache und den eigenen Kontext? Wo liegen die Grenzen zwischen anthropologischer Forschung und alltäglichen Identitäten und Beziehungen?

Die französische Anthropologin und Schriftstellerin Nastassja Martin (geb. 1986) konzentriert sich in ihrer Forschung auf nordische Kulturen — sie hat beispielsweise in Alaska und Kamtschatka gelebt. Sie arbeitet an der Übersetzung zwischen westlichem Denken und animistischen Praktiken von Völkern, die in direkter Abhängigkeit von ihrer Umwelt leben. Sie versteht ihre Praxis als interdisziplinär: Als Anthropologin betrachtet sie sich nicht als neutrale Trägerin von "Objektivität", und sie sieht die Mission der Anthropologie darin, verschiedenen Weisen des Seins in der Welt Stimme zu geben und ihren politischen Gehalt offenzulegen.