Annie Ernaux: Eine gewöhnliche Frau
"Nur sie, ihre Worte, ihre Hände, Gesten, ihr Lachen, ihr Gang verbanden die Frau, die ich bin, mit dem Kind, das ich war."
Wie bewegt sich ein Mensch im Raum seiner Erinnerung, und wie funktioniert der Prozess des Erinnerns eigentlich? Aus Fragmenten - Bildern, Gesten, alltäglichen Sätzen - konstruiert Annie Ernaux in dem Buch "Eine gewöhnliche Frau" das Leben ihrer Mutter, die aus einem armen Arbeitermilieu der Stadt Yvetot stammte. Mit präziser, suggestiver Sprache untersucht die französische Schriftstellerin ihr Verhältnis zu einer Welt, von der sie sich durch Bildung und einen anderen Lebensstil allmählich entfremdete.
"Meine Mutter musste in einem Lexikon nachschlagen, um mir zu erklären, wer Van Gogh war. Meine Mutter, geboren in einer untergeordneten Welt, musste zur Geschichte werden, damit ich mich nicht so einsam und künstlich in einer Welt fühlte, die Worte und Gedanken unterwirft und in die ich - wie sie es wünschte - gegangen bin."
Wie sollte eine richtige Erinnerung an die Mutter aussehen - tränenreich, glänzend, sentimental? Alle Bilder werden eines Tages verschwinden. Ein kehlig klingendes Lachen, das Zähne und Zahnfleisch entblößt - wie können wir uns durch etwas Körperliches, das man anfassen kann, zu einem Menschen verhalten, der abwesend oder unsichtbar ist?
Die Inszenierung arbeitet in großem Umfang mit Heu und Stroh. Zuschauer mit gesundheitlichen Problemen, die damit verbunden sind, sollten einen Besuch der Aufführung überdenken.











