Neue Harmonielehre + Im Auge der Libelle
Kampus Palace, Ostrau
**25. Juni 18:30 – *Neue Harmonielehre***
Die Komposition basiert auf den Gedanken und Texten des Komponisten und Theoretikers Alois Haba. Das Libretto setzt sich aus Auszügen seines Buches Neue Harmonielehre des diatonischen, chromatischen, Viertel-, Drittel-, Sechstel- und Zwölftel-Tonsystems zusammen, das 1927 im deutschen Original und 2000 in tschechischer Übersetzung unter dem Titel Neue Harmonielehre des diatonischen, chromatischen, Viertel-, Drittel-, Sechstel- und Zwölftel-Tonsystems veröffentlicht wurde. In dieser Abhandlung definiert Haba die Methodik der kompositorischen Arbeit in mikrotonalen Systemen und gelangt durch die Reflexion seiner eigenen kreativen Methode zu der Idee der absoluten künstlerischen Freiheit. Der sachliche musiktheoretische Traktat verwandelt sich so in ein Musikdrama über das Suchen, die Erkenntnis und die künstlerische Freiheit, in dem Rationalität auf Intuition und Wissen auf Vorstellung trifft.
Der Gesangspart ist zwischen zwei kontrastierende Stimmen aufgeteilt. Die weibliche Stimme, die den Text auf Deutsch flüstert, verkörpert Inspiration, Intuition und die Energie der Jugend; die männliche Stimme, die die tschechische Version desselben Textes rezitiert, ist die Stimme des reifen Alters des Komponisten, seiner Erfahrung und Vernunft. Das Instrumentalensemble besteht aus Streichern, Holzbläsern und Blechbläsern, ergänzt durch ein Klavierpaar; die musikalische Komponente bewegt sich in mikrotonalen Systemen, die sich aus der Viertelton-Stimmung ableiten.
Mikrotonale Oper für zwei Stimmen und Kammerensemble, 2001–26
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**25. Juni 20:00 – *Im Auge der Libelle***
Im Auge der Libelle ist eine einsätzige Kammeroper, die auf einem Haiku von Issa basiert: "Im Auge der Libelle / spiegeln sich / ferne Berge." Dieses Gedicht bestimmt die Optik des gesamten Werkes – aus einem winzigen Punkt öffnet sich ein weiter Raum, aus der Stille entsteht eine Landschaft. Das Libretto setzt sich aus ausgewählten Haiku japanischer Meister zusammen, die als unabhängige existenzielle Bilder fungieren.
Sieben musikalische Bilder entstehen aus dem Unisono, aus einem einzigen Klang und einer einzigen Perspektive, und entwickeln sich allmählich zu einer komplexeren Klangstruktur aus Stimmen, Streichquartett, E-Gitarre und quadrophonischer Elektronik. Die Oper ist als ein Prozess konstruiert, in dem sich die konzentrierte musikalische Grundlage allmählich zu komplexeren Beziehungen entwickelt.
Kampus Palace