kdykam
Fr, 29. Mai 2026 · 19:30 ✨ Neu

Rozložíš paměť

HaDivadlo, Brünn

Raues Aufwachsen in einer kleinen mährischen Stadt

Ein dreizehnjähriger Junge, Přerov, frühe 2000er Jahre. Eine Umgebung, in der jeder jeden kennt, aber Nähe bedeutet oft eher Einsamkeit und Angst als Halt. Ein abwesender Vater, das Schweigen der Mutter, die Autorität von Großeltern. Wachsendes Bewusstsein, dass man anders ist in einer Umgebung, die einen nicht akzeptiert. Eine Kleinstadt als kollektiver Organismus, eine Kraft, die einen prägt, und eine Quelle von Trauma, das den Wunsch zu fliehen schürt. Aus Angst verschwindest du in die Großstadt, aber die Vergangenheit lässt dich nicht los. Die Rückkehr erfüllt dich mit Angst. Der Tod deines Großvaters zwingt dich zurück an Orte, die du für immer hinter dir lassen wolltest. Du hast keine Wahl. Vielleicht wirst du feststellen, dass es um nichts geht, dass du Erinnerungen einfach überwinden kannst. Kann man jemals den Orten entkommen, die einen geprägt haben?

Die Inszenierung ist eine Adaption des autofiktionalen Romans "Rozložíš paměť" von Marek Torčík, der 2024 mit dem Magnesia Litera Preis für Prosa ausgezeichnet wurde. Sie eröffnet das Thema des Aufwachsens vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit, latenten Rassismus und Homophobie — Erinnerung ist zerbrechlich und unzuverlässig, aber einige Momente bleiben für immer eingeprägt.

Regisseur Ondřej Štefaňák und Autor Marek Torčík teilen eine ähnliche Lebensgeschichte: beide wuchsen in kleinen mährischen Städten auf und zogen beide nach Prag. Die Inszenierung ist also nicht nur eine intime Sonde in eine Erinnerung, sondern eine Aussage über die Suche nach Identität, den Mut, die eigene Geschichte zu erzählen, und die Angst vor der Rückkehr an Orte, die einen sowohl schaffen als auch verletzen.