Den Namen des Primás kennst du vielleicht nicht, aber den Klang erkennst du fast sicher: wehmütige Geigen, Zimbal und eine Stimme, die wirkt, als hätte man sie direkt aus der Zeit Großmährens geholt. Das ist Hradišťan. Und gleich zu Beginn eine Kleinigkeit, bei der du dir wahrscheinlich denkst: „Das wusste ich nicht": Die mährische Zimbalmusik aus Uherské Hradiště spielte im Januar 1999 ausverkaufte Konzerte in Südafrika, und aus der Begegnung mit einem dortigen Marimbaspieler entstand ein Album, das in Tschechien Gold wurde. Wenn also der Begriff Hradišťan Moravské Budějovice fällt oder ein Konzert in der Nähe geplant ist, handelt es sich nicht um ein folkloristisches Freilichtmuseum für Nostalgiker. Es geht um ein Ensemble, das in sieben Jahrzehnten den Weg vom Volkslied bis zur zeitgenössischen Musik gegangen ist und dabei nie nur beim Stampftanz und Sliwowitz geblieben ist.

Hradišťan Moravské Budějovice: Warum über dieses Ensemble gesprochen wird

Hradišťan gehört zu den ältesten und bekanntesten mährischen Zimbalkapellen und ist heute ein professionelles Ensemble mit einem ungewöhnlich breiten Genrespektrum. Wer nach Hradišťan Moravské Budějovice sucht, sucht eigentlich nach einem Abend, der einem komponierten Konzert näher ist als einer Unterhaltung am Zimbal.

Die Zimbalmusik Hradišťan gehört zu den ältesten und bekanntesten mährischen Zimbalkapellen und entstand gemeinsam mit dem Tanzensemble im Jahr 1950 in Uherské Hradiště. In dieser Zeit sind ganze Generationen von Musikern, Sängern und Tänzern durch das Ensemble gegangen. Der Wendepunkt kam Ende der siebziger Jahre. Nach dem Tod des Gründers Jaroslav Václav Staněk am 28. Februar 1978 wurde Jiří Pavlica Primás. Und genau sein Name steht heute neben dem Kapellennamen auf jedem Plakat.

Jiří Pavlica steht dem Ensemble seit 1978 vor, und die ursprünglich folkloristische Kapelle hat sich durch seine künstlerische Leitung und Dramaturgie in eine alternative Musikformation verwandelt, die den Bogen von der Volkstradition bis weit darüber hinaus spannt. Wer also erwartet, dass Hradišťan kommt, um ein paar Volkslieder zum Tanz zu spielen, wird möglicherweise überrascht sein. Das Repertoire zielt in eine andere Richtung.

Wer Jiří Pavlica ist und warum alles an ihm hängt

Pavlica ist Geiger, Sänger und Komponist, der Hradišťan von einer regionalen Zimbalkapelle in ein Ensemble mit übergreifender Dimension verwandelt hat. Ohne ihn würde man heute ganz anders über das Ensemble sprechen.

Jiří Pavlica wurde in Uherské Hradiště geboren, studierte Musikwissenschaft und Kulturtheorie an der Philosophischen Fakultät in Olmütz sowie Geige am Brünner Konservatorium; Komposition studierte er privat bei Jaroslav Krček. Das erklärt vieles: In seinen Arrangements hört man gleichermaßen das mährische Volkslied wie die Arbeit eines ausgebildeten Komponisten, der weiß, was er mit Chor, Streichern oder der Stille zwischen den Tönen macht.

Unter seinen Händen wurde Hradišťan zu einer Werkstatt, nicht zu einem Museum. Allmählich begann sich das eigene Schaffen durchzusetzen, das in den Musik-Tanz-Projekten überwiegt, an denen Pavlica mit der Choreografin und Leiterin der Tanzsparte Ladislava Košíková zusammenarbeitete. Neben Pavlica trägt auch weiteres Stammpersonal den Klang der Kapelle. Zu den Stamm-Solisten gehören Alice Holubová, Jiří Pavlica und David Burda.

Und wie ausgelastet ist dieses Ensemble? Mehr, als man bei einem Genre mit dem Etikett „Folklore" erwarten würde. Den Hauptteil der Arbeit bildet die Konzerttätigkeit mit rund 150 Auftritten pro Jahr. Das ist keine gelegentliche Saisongruppe, das ist eine Kapelle in Vollzeit.

Worin sich Zimbalmusik von Blasmusik unterscheidet

Zimbalkapelle und Blaskapelle sind zwei völlig verschiedene Welten, auch wenn man sie manchmal in denselben Topf „Volksmusik" wirft. Der Unterschied liegt in der Besetzung, im Klang und darin, wofür die Musik gespielt wird.

Blasmusik basiert auf Blasinstrumenten und Schlagzeug, wird oft zum Marschieren oder Tanzen gespielt, und ihre Stärke liegt in der vollen, klaren Farbe der Blechbläser. Zimbalmusik ist kammermusikalischer und melodischer. Den Kern bilden Geigen unter der Führung des Primás, dazu Zimbal, Kontrabass und weitere Streicher. Der Klang ist geschmeidiger, kann von wildem Tempo bis zum fast geflüsterten Verstummen reichen, und vieles hängt vom Primás ab, der die Musik leitet und improvisiert.

Hradišťan hat diese Grundlage noch weiter verschoben. Hochwertige Texte und emotionale Musik, die auf der Melodik des mährischen Volkslieds basiert, sind der Zauber eines Ensembles, das mit seinem Schaffen längst die Grenzen des Genres Zimbalmusik überschritten hat. In der Praxis bedeutet das, dass man bei einem Konzert ein traditionelles mährisches Lied ebenso hört wie vertonte Lyrik oder ein Stück, das der klassischen Musik näher steht. Wenn man also vor dem Konzert Profile der Interpreten durchstöbert, sollte man bei Hradišťan damit rechnen, dass „Zimbalkapelle" nur der Ausgangspunkt ist, nicht die ganze Geschichte.

Modlitba za vodu, Skácel und andere Dinge, die über Hradišťan hinausweisen

Die stärkste Waffe von Hradišťan ist die Verbindung von Musik und Lyrik, vor allem mit den Versen von Jan Skácel. Daher stammt auch das Stück, das selbst Menschen kennen, die Zimbalmusik sonst nie hören würden.

Dieses Stück ist Modlitba za vodu. Die Musik dazu schrieb Jiří Pavlica auf einen Text von Jan Skácel. Das melancholische Lied über das schwindende Wasser in der Landschaft ist so sehr zum Volksgut geworden, dass es ein Eigenleben auf Konzerten, in Schulen und in sozialen Netzwerken führt, und viele Zuhörer ahnen nicht, dass es von Hradišťan gesungen wird. Es entstand als Teil eines größeren Ganzen. Auf Verse von Jan Skácel entstand ein abendfüllendes komponiertes Programm und das gleichnamige Album O slunovratu. Die ersten drei vertonten Gedichte von Jan Skácel sind Stationen im Lauf des Jahres: das frühlingshafte Modlitba za vodu, das sommerliche Krátký popis léta und das herbstliche Sonet o lásce a modrém portugalu.

Und dann ist da die Sache aus der Einleitung, diesmal mit belegten Details. Alles begann mit ausverkauften Konzerten von Hradišťan im Januar 1999 in Stellenbosch auf einer Tournee in Südafrika, wo sich bei einem der Konzerte der Marimbist und virtuose Spieler traditioneller afrikanischer Instrumente Dizu Plaatjies zur mährischen Zimbalkapelle gesellte. Aus dieser Begegnung entstand ein Album. Im Herbst 2002 erschien als Bonus des „goldenen" Titels Mys dobré naděje noch die CD Ozvěny Afriky.

Afrika und Skácel sind dabei keine Ausnahmen, sondern eine Arbeitsweise. Pavlica arbeitete unter anderem mit Alister Anderson aus Großbritannien, mit Yaz-Kaz aus Japan an der CD Svítání und mit Dizu Plaatjies aus Südafrika zusammen. Und dass das keine Musik nur für mährische Säle ist, beweist auch die Karte seiner Auslandsstationen. Er trat bei den Festivals Cervantino in Mexiko, in Stellenbosch in Südafrika, beim Womad in Großbritannien und beim World Festival of Sacred Music in Los Angeles auf. Hradišťan hat mehr als 25 bedeutende Tonträger aufgenommen, und das Publikum auf vier Kontinenten hat applaudiert.

Was beim Konzert zu erwarten ist und für wen es geeignet ist

Ein Konzert von Hradišťan ist keine Unterhaltung am Zimbal, sondern ein Zuhörabend, bei dem sich Temperament und Stille abwechseln und zur Musik oft auch gesprochenes Wort oder Lyrik gehört. Man setzt sich hin und hört zu, tanzt nicht zwischen den Tischen.

Die Dramaturgie kann unterschiedlich zusammengestellt sein. Hradišťan bietet seine Programmlinien sowohl als eigenständiges Konzert der Kapelle als auch als Auftritt des gesamten Ensembles einschließlich der Tanzsparte an. Das ist gut, im Voraus zu wissen: Die eigenständige Kapelle ist ein kammermusikalischerer Zuhörabend, während das Programm mit Tänzern und der Choreografie von Ladislava Košíková ein visuell reichhaltigeres Spektakel ist. Auf dem Plakat oder in der Ankündigung der jeweiligen Veranstaltung sollte man daher immer prüfen, um welche Variante es sich handelt.

Das Repertoire hält sich gerne an große Themen wie den Kreislauf des Jahres oder das menschliche Leben von der Geburt bis ins Alter, sodass der Abend einen inneren Bogen und eine Stimmung hat, die sich steigert. Für wen passt das? Sicher für Liebhaber von Folk, World Music und klassischer Musik, aber auch für Menschen, die bisher keinen Zugang zur Folklore hatten und eher Atmosphäre als Festlichkeit erwarten. Wer einen ruhigen, gehaltvollen Kulturabend sucht, ist hier gut aufgehoben. Weitere Programmideen in der Region findet man in unserem Veranstaltungskalender.

Wo man Termine und Tickets im Blick behält (und was dahintersteckt)

Einen konkreten Konzerttermin von Hradišťan in Moravské Budějovice können wir hier nicht zuverlässig versprechen, da sich die Termine laufend ändern. Am zuverlässigsten ist es, aktuelle Daten direkt bei den offiziellen Quellen und beim Veranstalter des Saals zu überprüfen.

Praktisch bedeutet das, die offizielle Website der Kapelle hradistan.cz zu verfolgen, wo das Ensemble seine Konzertliste veröffentlicht, sowie die Seiten des Veranstalters oder des Kulturhauses am Veranstaltungsort. Tickets für solche Veranstaltungen werden üblicherweise über gängige Vorverkaufsnetze und das Informationszentrum der jeweiligen Stadt verkauft. Da Hradišťan rund 150 Konzerte pro Jahr quer durch die Republik spielt, ist die Chance, einen Termin in der eigenen Umgebung zu finden, auch abseits großer Städte gut - man sollte beim Ticketkauf nur rechtzeitig sein, denn kleinere Säle füllen sich schnell.

Bis ein neuer Termin erscheint, kann man in Südböhmen und Umgebung auch andere Kulturveranstaltungen besuchen. Aus dem aktuellen Angebot in České Budějovice lohnt sich zum Beispiel die Ballettinszenierung Da Vinci im Südböhmischen Theater, eine kommentierte Wanderung Za příběhy státní hranice: Pohoří na Šumavě von Paměť národa oder ein ruhiger Sommermorgen mit Yoga im Freiluftkino Háječek. Das sind keine Ersatzprogramme für Hradišťan, eher Möglichkeiten, den Abend zu füllen, bis das richtige Konzert kommt.

Häufige Fragen

Wer ist Jiří Pavlica?

Er ist Geiger, Sänger und Komponist, der Hradišťan leitet. Er wurde nach dem Tod des Gründers Jaroslav Václav Staněk im Februar 1978 Primás. Er wurde in Uherské Hradiště geboren, studierte Musikwissenschaft in Olmütz und Geige am Brünner Konservatorium und studierte Komposition privat bei Jaroslav Krček.

Ist Hradišťan nur eine Folklorekapelle?

Nein. Es geht zwar von der mährischen Volkstradition aus, reicht aber genremäßig viel weiter. Es ist ein professionelles Ensemble, das programmatisch vor allem mit dem Erbe der Volkstradition und ihrer philosophischen Dimension arbeitet, Genregrenzen überschreitet und mit Persönlichkeiten verschiedener Kulturen aus aller Welt zusammenarbeitet.

Wann wurde Hradišťan gegründet?

Es wurde 1950 in Uherské Hradiště gegründet, und zwar gemeinsam mit einem Tanzensemble. Es gehört damit zu den ältesten mährischen Zimbalkapellen überhaupt.

Was ist das bekannteste Lied von Hradišťan?

Für viele Menschen ist es Modlitba za vodu. Die Musik schrieb Jiří Pavlica auf Verse von Jan Skácel, und das Lied gehört zum Programm und Album O slunovratu.

Wo kaufe ich Tickets für ein Konzert in Moravské Budějovice?

Einen konkreten Termin oder Verkaufskanal für Moravské Budějovice können wir hier nicht bestätigen. Verfolge die offizielle Website der Kapelle und die Seiten des lokalen Veranstalters, wo Datum und Link zum Vorverkauf erscheinen werden. Eine Übersicht weiterer Konzerte in der Region findet man auch in unserem Bereich Konzerte.

Quellen

  • Hradišťan & Jiří Pavlica, offizielle Website (Geschichte, Diskografie, Projekt Mys dobré naděje) - hradistan.cz
  • Tschechisches UNESCO-Erbe, Profil Hradišťan & Jiří Pavlica - unesco-czech.cz
  • Wikipedia, Einträge Hradišťan und Jiří Pavlica
  • Slovácký deník, Rückblick zum 70. Jubiläum des Ensembles
  • Tschechischer Rundfunk Pilsen, Hradišťan: Modlitba za vodu
  • kdykam.com, Veranstaltungen in der Region: Da Vinci, Za příběhy státní hranice: Pohoří na Šumavě, Jóga s Kačkou Novákovou