80 vergrämte Journalisten
DOX lädt zu einem Sommerfilmabend unter freiem Himmel mit dem Dokumentarfilm "80 wütende Journalisten" ein.
Als Viktor Orbáns Partei mit verfassungsmäßiger Mehrheit zu regieren begann, wurde die Medienkontrolle zur langfristigen Priorität. Durch einen Schlüsselverbündeten, den Geschäftsmann Lajos Simicska, wurden schrittweise große traditionelle Medienunternehmen in seinen Einflussbereich integriert, und kritische Stimmen im öffentlichen Raum wurden schwächer. Eine der bedeutendsten ungarischen Online-Zeitungen, Index.hu, blieb jedoch unabhängig. 2014 wurde bekannt, dass Simicska einen bedeutenden Anteil an der Zeitung erworben hatte - dies löste Proteste aus und Simicska bestritt es. Bestätigt wurde es erst drei Jahre später, als er versuchte, die Option zu aktivieren. Massiver öffentlicher und redaktioneller Widerstand blockierte die Transaktion letztendlich. Simicska fiel unterdessen in Orbáns Ungnade, verlor nach Jahren des Kampfes fast alles und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Das Eigentum an Index ging auf eine neu gegründete Stiftung über, deren Vorsitzender László Bodolai wurde, der langjährige Anwalt der Zeitung (in der Redaktion "Bodi" genannt), der auch einer der Protagonisten des Films ist. Die Zweifel der Redaktion an echter Unabhängigkeit führten zur Schaffung eines "Unabhängigkeitsbarometers" - ein Indikator auf der Titelseite mit drei Positionen: "unabhängig", "gefährdet" und "Ende der Unabhängigkeit". Trotz wachsender Spannungen zwischen Redaktion und Eigentümer blieb die Nadel auf "unabhängig" - bis 2019, als die Stiftungsleitung Pläne für strukturelle Veränderungen der internen Redaktionsabläufe ankündigte. Journalisten sahen viele der geplanten Änderungen als unzulässige Einmischung in die Geschäftsführung und möglicherweise in redaktionelle Inhalte. Nach Wochen der Spannung versetzte Chefredakteur Szabolcs Dull die Nadel auf "gefährdet". Millionen von Lesern sahen plötzlich, dass etwas Ernstes vor sich ging - und die Geschichte erreichte internationale Medien.
In diesem Moment nahm András Földes, langjähriges Redaktionsmitglied und Kriegskorrespondent, eine Kamera in die Hand. Die Eskalation endete mit dem Weggang der gesamten Redaktion - mehr als achtzig, oft Elite-Journalisten. Der Film verfolgt diese moralische Geste und ihre praktischen Konsequenzen und stellt Fragen zur Pressefreiheit und ihren Grenzen.











