Bohemia docta oder Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens (Göttliche Komödie)
In diesem Film untersucht Karel Vachek die 'tschechische Realität' der neunziger Jahre und knüpft an den Stil und die Poetik seiner früheren Filme an. Diesmal tritt er jedoch viel aktiver in die Handlung ein - er wird nicht nur zum 'Manipulator' seiner Gesprächspartner, sondern direkt zum Protagonisten eines originellen 'romanartigen' Essays über Freiheit, Politik, Gesellschaft, Natur, Globalisierung, Wissenschaft und Kunst. Er setzt seinen eigenwilligen Sinn für Humor und Ironie stärker denn je ein.
In Zusammenarbeit mit Kameramann Karel Slach, Tonmeister Libor Sedláček und Schnittmeisterin Renata Pařezová baut Vachek auf der 'Polyphonie' von Bild und Ton auf, arbeitet mit Soundüberlagerungen und kehrt wiederholt zu 'begonnenen', aber unvollendeten Sequenzen zurück. Seine Figuren aus verschiedenen Bereichen führt er in ungewöhnliche Umgebungen - ein Ossarium, ein tschechisches Rodeo, einen dichten Wald - und inszeniert sie während der Gespräche offen.
Der Film entstand zwischen 1997 und 2000 und dokumentiert konkrete Ereignisse: die Wiedereröffnung des Café Slavia, ein Treffen von Dichtern in Bítov oder Autogrammstunden. Die musikalische Dramaturgie wechselt zwischen Paukenschlägen, der tschechischen Nationalhymne auf der Trompete und Liedern von Plastic People, Jim Čert oder Pepa Nos. Eingestreute Aufnahmen tschechischer Pilze vor Burgkulissen mit Pilznamen und Orten dienen als 'Verfremdungseffekt'; Fotografien tschechischer Regierungen auf einer Puppenspielbühne sind eine subtile Anspielung auf die politische Realität.











