Samanta Schweblin: Außer Reichweite
Und jetzt habe ich etwas Zusätzliches in meinem Körper, etwas Neues schaltet sich dort ein oder aus, etwas Scharfes und Strahlendes.
Staubige Wege, ein zerbrochener Zaun, leere Pferdeausläufe, sengende Hitze und saftig grüne Horizonte, bepflanzt mit Soja. Die argentinische Provinz einige hundert Kilometer von der Hauptstadt entfernt ist der Schauplatz von Amandas erstem Treffen – sie flieht mit ihrer Tochter aus der Stadt, um Ruhe in der Peripherie zu suchen – mit Carla, einer eigenwilligen Frau und Mutter des geheimnisvollen David.
In ihrer Novelle Außer Reichweite von 2014 gräbt Samanta Schweblin mit kompromisslosem Erzählen ihre Nägel in eine erschöpfende und oft destruktive Beziehung zwischen Mutter und Kind. Die ständige Umwandlung von Angst in Freude und umgekehrt, die ängstliche Neukalibrierung der sicheren Entfernung, die schnell überbrückt werden muss, wenn etwas schiefgeht, oder einfach die Last, das eigene Kind nicht zu verstehen – all dies spielt sich vor dem Hintergrund einer ausgedörrten und abgelegenen Landschaft ab, so ausgelaugt, dass die Bindungen zwischen Menschen und die Bindungen zur Natur aufhören zu funktionieren.
Die sichere Entfernung, wie der ursprüngliche Titel lautet, ist hier gleichermaßen eine Metapher für den Faden, an dem die Welt kaum noch hält.