Satan in Goray
Divadlo Husa na provázku, Brünn
Eine von zahlreichen Krisen verängstigte und gespaltene Gesellschaft, alte Ordnungen zerfallen vor unseren Augen, Gewitterwolken am Horizont. Das herannahende Böse ist ein ebenbürtiger Gegner des Guten, hat aber eine viel größere Anhängerschar. Unter welchen Umständen ist ein Mensch fähig, an Aberglauben, Wahnvorstellungen, Lügen zu glauben? Was braucht es, damit er seiner eigenen Angst erliegt?
Fast hundert Jahre nach der Erstveröffentlichung kann Singers apokalyptische Vision nicht als Bericht über ein abgeschlossenes Kapitel der Menschheit gelesen werden. Allgegenwärtige Angst fegt den Gehweg für selbsternannte Messias-Figuren, die einfache Lösungen anbieten: "Gesetze sind Überbleibsel und wir bieten eine Überprüfung an. Niemand wird uns sagen, was richtig ist, wir wissen es am besten. Und wenn es nicht funktioniert? Keine Sorge, ihr könnt die Verantwortung immer auf andere abwälzen! Kann man der Versuchung widerstehen, sofortige Erlösung zu erreichen? Besonders wenn sie nur einen Klick entfernt ist? Und könnt ihr den Unterschied zwischen dem Teufel und einem Erlöser erkennen?"
Die Inszenierung entsteht aus Verwunderung über die Aktualität von Singers Warnung und aus dem Bedürfnis, über die Gegenwart in der Sprache großer Geschichten zu sprechen. Die Romanadaption übernahm Janusz Klimsza, der gleichzeitig mit dem Ensemble des Husa na provázku zusammentrifft. Eine präzise Studie einer zusammenbrechenden Ordnung.