kdykam
Sa, 30. Mai 2026 · 17:30 ✨ Neu

Du wirst die Erinnerung auflösen

HaDivadlo, Brünn

Raues Erwachsenwerden in einer kleinen mährischen Stadt

Ein dreizehnjähriger Junge, Přerov, Nullerjahre. Eine Umgebung, in der jeder jeden kennt, aber Nähe bedeutet oft eher Einsamkeit und Angst als Unterstützung. Ein abwesender Vater, das Schweigen der Mutter, die Autorität von Großeltern. Ein aufkeimendes Bewusstsein, dass du anders bist in einer Umgebung, die dich nicht akzeptiert. Eine kleine Stadt als kollektiver Organismus, eine Kraft, die einen Menschen prägt, und eine Quelle von Trauma, das den Wunsch zu fliehen schürt. Aus Angst verschwindest du in die Großstadt, aber die Vergangenheit lässt dich nicht los. Die Rückkehr macht dir Angst. Der Tod deines Großvaters zwingt dich zurück an Orte, die du für immer hinter dir lassen wolltest. Du hast keine Wahl. Vielleicht wirst du feststellen, dass nichts zählt, dass du deine Erinnerungen einfach überwinden kannst. Kann man den Orten, die einen geprägt haben, überhaupt entkommen?

Die Inszenierung ist eine Adaption des autofiktionalen Romans "Du wirst die Erinnerung auflösen" von Marek Torčík, der 2024 mit dem Magnesia Litera Preis für Prosa ausgezeichnet wurde. Sie eröffnet das Thema des Erwachsenwerdens vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit, latenter Rassismus und Homophobie — Erinnerung ist zerbrechlich und unzuverlässig, aber einige Momente bleiben für immer eingraviert.

Regisseur Ondřej Štefaňák und Autor Marek Torčík teilen eine ähnliche Lebensgeschichte: beide wuchsen in kleinen mährischen Städten auf und zogen beide nach Prag. Die Inszenierung ist daher nicht nur eine intime Sonde in eine Erinnerung, sondern ein Zeugnis der Suche nach Identität, des Mutes, die eigene Geschichte zu erzählen, und der Angst vor der Rückkehr an Orte, die einen prägen und verletzen.