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Morgan: Ein Fall für die Psychiatrie

Sa, 26. Sept. 2026 · 20:30 ✨ Neu

Kino Ponrepo, Prag

Morgan: Ein Fall für die Psychiatrie — Kino Ponrepo, Prag

Der vollständige Filmtitel scheint absolut treffend zu sein. Es geht scheinbar um eine Figur, die von einer psychischen Störung heimgesucht wird, aber gleichzeitig um eine Persönlichkeit, deren Wahnsinn, Exzentrizität oder Romantik sie zu einer fast großartigen, ja überragenden Figur macht (im Englischen bedeutet das Wort "character" beides: nicht nur eine Filmfigur, sondern auch eine ausgeprägte Persönlichkeit).

In diesem Sinne kann Morgan, der originellste Film aus Reisz' britischer Periode, fast als künstlerisches Manifest verstanden werden. Der titelgebende Morgan, ein freigelassener Schizophrener, ein Londoner Kommunist, der Hammer und Sichel auf jede verfügbare Oberfläche malt, ein Künstler mit der Fantasie einer Zeichentrickfigur, verwandelt sein Leben in ein ständiges Happening, um andere in einen Strudel zu reißen, der die Karten neu mischen würde.

Als Held einer (tragischen) Komödie über die Wiederentdeckung der Ehe dringt Morgan ständig in das Leben seiner Ex-Frau ein und verzaubert ihre Welt. Sie ist eine typische britische Bürgerin, die - zumindest bis zu einem gewissen Grad - die Spannung der Unsicherheit genießt, die Morgan ihr bringt.

In Wirklichkeit sehnt sich jedoch jede von Reisz' Figuren danach, die Gesellschaft ihrer Zeit zu erschüttern, die Gesellschaft, die sie bindet, und sie umzukehren. Niemand will kapitulieren, auch wenn es ihn sein Leben oder seinen Ruf als Verrückter kostet - das sind die einzigen Wege, um aus dem Griff zu entkommen. Alle Figuren von Reisz sind auf ihre Weise persönliche Revolutionäre. Morgan denkt daher genauso wie sein lieber Karl Marx: Er will die Welt nicht nur verstehen, er will sie verändern.