Die Legende von Paul und Paul
Kino Ponrepo, Prag
Eine zeitgenössische Rezension von Heinze Kersten, veröffentlicht in der Tagesspiegel (aus dem zweiten, westlichen Teil der durch eine Mauer geteilten Großstadt):
"Nach Plenzdorfs eigenen Worten war sein neuester Film von dem Ruf vorangegangen, entweder der 'erste Pornofilm des DEFA-Studios' oder auch eine 'sozialistische Liebesgeschichte' zu sein. Trotz Nacktheit und großer Gefühle wurde Die Legende von Paul und Paul glücklicherweise weder das eine noch das andere, sondern ein völlig eigenständiger, origineller Film.
Die Autoren wählten den Titel 'Legende', weil sie ihre Geschichte 'so erzählen wollten, wie man sagt, dass es hätte sein können, mit all den Spekulationen und Übertreibungen, die so fast unvermeidlich entstehen', sagt Plenzdorf. Also eine romantische Liebesgeschichte unserer Zeit – in volkstümlicher Darstellung. Sie verheimlichen nicht, dass in der DDR immer noch Klassenunterschiede bestehen, und zeigen, dass in Ostberlin immer noch alte, verfallene Häuser stehen, die aber neuen, modernen Wohnblöcken weichen müssen.
Ein glückliches Ende wäre gesichert, wenn die Autoren am Ende ihrer Geschichte nicht noch einen weiteren Haken hinzugefügt hätten, der die Zuschauer noch einmal zum Nachdenken bringen soll – auch das ist ein Plus dieses neuen DEFA-Studio-Films, der ohne Angelika Domröse nicht das wäre, was er ist. Seit Ende März sind die Vorstellungen in Ostberlin fast immer ausverkauft."