Den Refrain kennen Sie, auch wenn Sie den Namen des Autors nie nachgeschlagen haben. „Bratříčku, zavírej vrátka" - und ein Schauer läuft den Rücken hinunter. Und jetzt ein Fakt, den die meisten nicht wissen: Diese Platte hat Karel Kryl nicht in Prag aufgenommen. Das Album entstand in Ostrava zwischen 1967 und 1968. Genau hier, im Schauspielstudio des Ostrava-Rundfunks, wurde der berühmteste tschechische Protestsong geboren. Wenn Sie sich fragen, was sich in Ostrava lohnt, hat diese Stadt und ihre Kultur diese Geschichte schön miteinander verknüpft: In einer Galerie hängt eine Ausstellung, die ihren Titel direkt von Kryl entlehnt, ein paar Wochen später erklingen dort seine Lieder live, und ein Stück weiter spielt Baník. Drei Events, die unscheinbar wirken, hinter denen aber jeweils eine Geschichte steckt, die den Besuch lohnt.
Was sich in Ostrava diesen Sommer lohnt
Kurz gesagt: Es geht nicht um eine Stadionshow, sondern um drei kleinere Events mit überraschend starkem Hintergrund. Genau deshalb werden sie übersehen, dabei haben sie mehr Tiefe als manches ausverkaufte Konzert.
Wenn Sie sich fragen, was sich in Ostrava lohnt, hier ist eine ehrliche Antwort ohne Marketing. Eine Ausstellung in einer Galerie, ein Kammerkonzert zweier Liedermacher und ein Fußballspiel haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Doch in diesem Jahr bilden sie in Ostrava zusammen eine Geschichte - darüber, wie die Stadt Kryl geprägt hat und wie sie sich heute auf ihn besinnt, und darüber, dass Fußball hier nicht nur Sport ist, sondern ein Stück lokaler Identität. Wir gehen sie der Reihe nach durch und zeigen bei jedem Event, was konkret bei Ihnen bleibt, wenn Sie hinfahren. Sie können auch nur eines davon wählen, aber am besten nehmen Sie alle drei als Karte eines Sommers.
Ausstellung Bratříčku, drž sa!: Kryl in neuem Gewand
Kurz gesagt: Der slowakische Künstler Matúš Maťátko überträgt Wendepunkte der tschechisch-slowakischen Geschichte in die Sprache des Comics und der Street Art. Der Titel ist eine Hommage an Kryl und es ist seine allererste Einzelausstellung in Tschechien.
Die Galerie der Bildenden Kunst in Ostrava präsentiert eine Bildinstallation ikonischer Geschichten der tschechischen und slowakischen Geschichte aus der Hand des slowakischen Künstlers Matúš Maťátko - die Ausstellung Bratříčku, drž sa! Kurator ist Vladimír Beskid. Und der Titel ist kein Zufall. Laut dem Kurator handelt es sich um eine Bildinstallation von Wendepunkten historischer Ereignisse und Krisenmomenten unserer staatsgründenden Geschichte, gewidmet vor allem der gemeinsamen tschechisch-slowakischen Geschichte der Brudervölker, weshalb sie den Titel Bratříčku, drž sa! trägt. Wer bei diesem Titel an Kryl denkt, liegt richtig.
Maťátko ist kein Sonntagsmaler. Er wurde 1984 in Bratislava geboren, wo er lebt und arbeitet, und ist Absolvent der Hochschule für Bildende Künste in Bratislava, Atelier für freie Grafik und Illustration bei Professor Dušan Kállay. Seine Handschrift erkennt auch ein Laie: Er verwendet grafische Stilisierung mit starker Konturlinie, und seine künstlerische Sprache ist von Comics, Street Art, Murals und Subkulturen beeinflusst. Keine glatten Landschaften, eher plakathafte Wucht, die Themen direkt ins Gesicht serviert. Mit einer anziehenden und provokativen Bildsprache drückt er dabei eine kritische Haltung zu drängenden kulturell-politischen Fragen der Geschichte und Gegenwart aus. Dass er kein Randkünstler ist, beweist auch seine Spur im öffentlichen Raum: Das siebzehn Meter hohe Mural Anjeli in der Mariánská-Straße in Bratislava ist sein bekanntestes Werk, und kürzlich schuf er auch ein großes Mural auf dem größten Markt in Jerusalem.
Am interessantesten ist der Moment, in dem die Ausstellung direkt auf Ostrava trifft. Sie umfasst nämlich auch eine Auswahl von Werken aus den Sammlungen der Galerie der Bildenden Kunst in Ostrava, die ein eigenes „Ostrava-Kapitel" hinzufügt (Hvězdná budoucnost). Fremder Künstler, heimische Sammlung, gemeinsame Geschichte - und über allem schwebt Kryls Schatten. Termin und Ort finden Sie beim konkreten Event MATÚŠ MAŤÁTKO / Bratříčku, drž sa! (16. Juli 2026, Galerie der Bildenden Kunst in Ostrava). Wenn Sie schon hingehen, lohnt es sich zu wissen, dass die Galerie im selben Sommer auch Kammerkonzerte im gleichen Haus veranstaltet.
Warum gerade Ostrava: Kryl und seine nördlichen Wurzeln
Kurz gesagt: Ostrava war für Kryl nicht nur eine Station. Er verbrachte hier einen wesentlichen Teil seiner kreativen Sechzigerjahre und nahm genau hier die Lieder für sein Debüt auf, das zur Legende wurde.
Ostrava spielte in Kryls Schicksal eine größere Rolle, als heute allgemein bekannt ist. Er schwärmte von Ostrava, denn in der mährisch-schlesischen Metropole verbrachte er in den Sechzigerjahren einen wesentlichen Teil seines kreativen Lebens. Das Interesse an seinen Liedern kam früh: Bereits im Laufe des Jahres 1967 zeigte der Redakteur des Tschechoslowakischen Rundfunks Ostrava, Miloš Zapletal, Interesse daran. Die Aufnahmen entstanden dann im hiesigen Studio. Genau im Schauspielstudio des Tschechischen Rundfunks Ostrava nahm er die Lieder für sein kultiges Debütalbum Bratříčku, zavírej vrátka auf.
Das Schicksal dieser Platte ist selbst eine Geschichte für einen Film. Das Titellied schrieb Kryl spontan rund um die Besatzung im August 1968, doch zu den Menschen gelangte es auf Umwegen über eine Rundfunk-Hitparade. Die Platte erschien am 24. März 1969 beim Verlag Panton und stieß praktisch sofort auf die Realität der einsetzenden Normalisierung. Die staatliche Zensur verbot sie, und Kryls Lieder befanden sich schlagartig außerhalb des offiziellen Raums. Dennoch wurde sie noch verkauft: Von dieser Platte wurden innerhalb weniger Wochen vierzigtausend Exemplare verkauft. Kryl emigrierte kurz darauf nach München und kehrte erst nach dem November dauerhaft nach Hause zurück. Die Stadt hat ihn nicht vergessen. Vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks Ostrava wurde ihm eine Bronzestatue enthüllt, die der Bildhauer David Moješčík schuf. Wenn Sie den breiteren Kontext seines Schaffens erkunden möchten, schauen Sie sich das Profil von Karel Kryl an.
Karel Kryl live in der Galerie
Kurz gesagt: In derselben Galerie wie die Ausstellung spielen Jan Kynčl und Libor Kotas Kryls Lieder. Das ist kein nostalgischer Abend, sondern eine Erinnerung daran, dass dieses Repertoire hier Heimatrecht hat.
Es macht Sinn, Kryls Lieder dort zu hören, wo sie entstanden sind. Das Konzert Jan Kynčl & Libor Kotas hrají Karla Kryla (5. August 2026, Galerie der Bildenden Kunst in Ostrava) ist eine Kammerbegegnung mit einem Repertoire, das eine halbe Nation kennt und die andere Hälfte ahnt. Dass diese Lieder nicht gealtert sind, zeigte auch die jüngere Zeit: Das Lied Bratříčku, zavírej vrátka hallt in Tschechien und der Slowakei bis heute nach und wird bei Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen gespielt.
Der Reiz dieser Kombination liegt darin, dass Sie nicht quer durch die Stadt laufen müssen. Die Ausstellung mit dem Kryl-Titel und der Abend mit Kryls Liedern teilen sich eine Adresse, was die Galerie für ein paar Sommerwochen zu einem kleinen Kulturzentrum macht, nicht nur zu einem Saal mit Bildern. Für Neulinge ist das ein bequemer Einstieg: Kunst und Musik an einem Ort, ohne das Gefühl, ein „Kenner" sein zu müssen. Wer Kryl seit Jahren hört, stellt wiederum frisch fest, dass ein slowakischer Street-Art-Maler nach demselben Motiv der Brüderlichkeit gegriffen hat wie der Liedermacher vor sechzig Jahren, und dass sich das ausgerechnet in Ostrava trifft. Wenn Sie Lust auf mehr Liedermacher-Sommer in der Galerie bekommen, spielen im selben Raum auch Alan Grezl & Palo Nowak (22. Juli 2026). Eine Übersicht weiterer Konzerte in ganz Tschechien finden Sie in unserem Wegweiser Konzerte.
Baník in Vítkovice: Fußball, der ein Stück Geschichte ist
Kurz gesagt: Spiele von Baník sind nicht nur eine Frage des Ergebnisses. Einer der treuesten Fanblöcke des Landes kommt dorthin, und die Atmosphäre des „Kessels" ist auch für Nicht-Fußballfans ein Erlebnis.
Wenn wir schon bei der Ostrava-Identität sind: Fußball gehört dazu genauso fest wie die Halden und Kryl. Der Klub wurde 1922 als SK Slezská Ostrava gegründet und feierte drei Meistertitel in der tschechoslowakischen Liga sowie einmal den Gewinn der eigenständigen tschechischen Liga. Er hat auch eine internationale Spur: 1988 gewann er den Mitteleuropäischen Pokal (Mitropa Cup) und ein Jahr später auch den Mitropa Super Cup. Und die Anfänge waren sehr bescheiden. Der Klub entstand am 8. September 1922, als zwanzig Aktivisten die Gründungsurkunde im Gasthaus U Dubu unterzeichneten, und die Unterzeichner waren größtenteils arme Bergleute aus der Bergarbeitersiedlung Kamenec. Die Ostrava-Ultras nennen sich heute auf ihre eigene Art: Sie bezeichnen sich selbst als Chachaři, was im lokalen Dialekt so viel wie „Raufbolde" bedeutet.
Die Heimstätte liegt allerdings etwas anders, als es den Herzblutfans lieb wäre. Für Ligaspiele dienten die legendären Bazaly bis 2015, als Baník auf Anordnung des Fußballverbands nach Vítkovice umziehen musste. Auf den Bazaly hielt sich der Klub dabei ganze 56 Jahre. Die neue Heimstätte hat ihre eigene ruhmreiche Vergangenheit: Auf der Leichtathletikbahn des Vítkovice-Stadions stellte Emil Zátopek zwei Weltrekorde im 10.000-Meter-Lauf auf. Und eine nicht-fußballerische Randnotiz, nach der Sie dort anders hinschauen werden - einst donnerte hier eines der größten Konzerte in der Geschichte der Stadt. Die Heavy-Metal-Band Iron Maiden spielte auf den Bazaly am 6. Juni 2007 vor 38.000 Zuschauern - das war das größte Rockkonzert in Ostrava.
Das verlockendste Programm-Highlight ist klar: Baník Ostrava - Slavia Praha (1. August 2026, Městský stadion in Ostrava-Vítkovice). Das Duell mit dem Prager Giganten bringt den Kessel zum Kochen wie kaum ein anderes Spiel. Wer Fußball ohne große Massen und zu günstigerem Eintrittspreis möchte, kann auf die Reserve setzen, etwa Baník Ostrava II - Vlašim (25. Juli 2026), wo die Atmosphäre kammerhafter ist, aber das schlesische Fanfieber auch dort zu kosten ist. So oder so - es geht um ein Stück gelebter Ostrava-Geschichte.
Praktische Tipps, bevor Sie aufbrechen
Kurz gesagt: Kaufen Sie Tickets über die offiziellen Kanäle der Veranstalter, überprüfen Sie Termine direkt beim Event und rechnen Sie damit, dass Galeriekonzerte begrenzte Kapazität haben. Für das große Fußball-Highlight kommen Sie mit Puffer.
Ein paar Dinge, die Ihnen Nerven sparen. Bei der Ausstellung und den Konzerten in der Galerie halten Sie sich an die Öffnungszeiten und die Seiten des Veranstalters; Kammerabende sind schnell ausgebucht, weil der Saal nicht beliebig groß ist. Beim Fußball gilt die alte Regel: Für attraktive Spiele kaufen Sie das Ticket im Voraus, zu weniger gefragten Spielen kommen Sie auch in letzter Minute. Tickets lösen Sie immer über den offiziellen Verkauf des Klubs oder Veranstalters, nicht über Wiederverkäufer, wo Sie ein gefälschtes Ticket und überhöhte Preise riskieren. Gut zu wissen ist auch, dass Vítkovice ein multifunktionales Gelände ist, auf dem neben Fußball auch Leichtathletik stattfindet, sodass es vor größeren Veranstaltungen rund ums Stadion belebt ist. Aktuelle Termine aller Events in der Stadt verfolgen Sie in unserem Veranstaltungskalender, und es lohnt sich, kurz vor dem Besuch noch einmal nachzuschauen, da sich Termine gelegentlich ändern.
Häufige Fragen
Was lohnt sich in Ostrava, wenn ich nur einen Nachmittag habe?
Setzen Sie auf die Galerie der Bildenden Kunst. In einem Besuch schaffen Sie die Ausstellung Bratříčku, drž sa! und je nach Termin auch noch das Abendkonzert im selben Haus. Sie bekommen Kunst und Musik an einer Adresse, was zeitlich am sparsamsten und gleichzeitig am interessantesten ist.
Hat die Ausstellung von Matúš Maťátko wirklich etwas mit Karel Kryl zu tun?
Direkt nicht, aber sie spielt bewusst auf ihn an. Die Ausstellung widmet sich vor allem der gemeinsamen tschechisch-slowakischen Geschichte der Brudervölker und trägt deshalb den Titel Bratříčku, drž sa! Das Wortspiel mit Kryls Lied ist lesbar, und in Ostrava, wo die Platte entstand, bekommt es eine weitere Ebene.
Warum spielt Baník in Vítkovice und nicht auf den Bazaly?
Die Bazaly dienten für Ligaspiele bis 2015, als der Klub auf Anordnung des Fußballverbands nach Vítkovice umziehen musste. Er spielt dort bis heute, aber das Herz von Baník schlägt auf den Bazaly, wo inzwischen ein Trainingszentrum entstanden ist und über den Bau eines neuen Stadions gesprochen wird.
Lohnt es sich, zum Spiel von Baníks zweiter Mannschaft zu gehen?
Auf jeden Fall, wenn Sie Fußball ohne Gedränge und zu günstigerem Eintrittspreis suchen. Die Reserve wie Baník Ostrava II spielt vor kleinerer Kulisse, aber das schlesische Fanfieber ist auch dort zu spüren. Für das große Erlebnis mit ausverkauftem Kessel heben Sie sich das Erstliga-Highlight gegen Slavia auf.
Wo kaufe ich Tickets und überprüfe Termine?
Immer über offizielle Kanäle - bei Galerieevents auf den Seiten des Veranstalters, beim Fußball über den Klubverkauf. Konkrete Daten und Orte finden Sie bei den einzelnen Events auf kdykam und in unserem Kalender, in den es sich lohnt, kurz vor dem Besuch zu schauen.
Quellen
- MATÚŠ MAŤÁTKO / Bratříčku, drž sa! - Galerie der Bildenden Kunst in Ostrava (Termin und Ort)
- Jan Kynčl & Libor Kotas hrají Karla Kryla und Alan Grezl & Palo Nowak - Galerie der Bildenden Kunst in Ostrava
- Baník Ostrava - Slavia Praha und Baník Ostrava II - Vlašim - Městský stadion in Ostrava-Vítkovice
- ostravan.cz und gvuo.cz - Informationen zur Ausstellung und zum Künstler Matúš Maťátko, danubiana.sk - seine Murals
- Tschechischer Rundfunk (Dvojka, Ostrava), iReport, Rádio Blaník und Wikipedia - Hintergrund zu Karel Kryl und dem Album Bratříčku, zavírej vrátka
- Wikipedia (FC Baník Ostrava, Bazaly, Městský stadion), Moravskoslezský deník, Kudy z nudy und chachari.cz - Geschichte von Baník, der Stadien und der Fans; Konzert Iron Maiden