Den Sound kennst du wahrscheinlich, auch wenn du den Bandnamen nicht kennst. Das tiefste unterirdische Grollen, das man im Horrorfilm hört, wenn im Dunkeln etwas erwacht, das dort nicht sein sollte - nur dauert es hier nicht drei Sekunden, sondern ein ganzes Set. Hinter dem Begriff CENOTAPH Žabčice steckt der türkische Sänger Batu Çetin, dessen Stimme Rezensenten zu den am wenigsten menschlich klingenden im gesamten Death Metal zählen - angeblich wie ein dauerhaftes Kreischen, auf die niedrigstmögliche Ebene heruntergeschraubt. Und gleich zu Beginn lauert eine Falle: Es gibt eine ganze Reihe von Bands namens Cenotaph, und die türkische wird unglaublich leicht mit der legendären mexikanischen verwechselt. Bevor man also ein Ticket kauft, lohnt es sich zu wissen, wen man eigentlich hören wird.
CENOTAPH Žabčice: Warum ein Name die ganze Szene verwirrt
Mehrere Bands nennen sich Cenotaph. Wenn man auf CENOTAPH Žabčice stößt, handelt es sich höchstwahrscheinlich um die türkische Brutal-Death-Metal-Band aus Ankara und nicht um ihren Namensvetter aus Mexiko oder Deutschland.
Das Wort Kenotaph bezeichnet ein leeres Grabmal, ein Denkmal für jemanden, dessen sterbliche Überreste woanders liegen. Kein Wunder, dass so viele Metal-Bands danach gegriffen haben. Laut Datenbanken gab es mindestens neun Interpreten namens Cenotaph: Brutal Death Grind aus Ankara, entstanden in den 90er Jahren, und Death Metal aus Mexico City aus dem Jahr 1988 sind dabei die zwei am häufigsten verwechselten. Dazu kommen noch italienische, deutsche, polnische und estnische Bands, doch der Unterschied zwischen der türkischen und der mexikanischen Truppe bereitet Fans am meisten Kopfzerbrechen.
Die mexikanische Cenotaph ist für Kenner der heilige Gral des frühen Death Metal. Das Debüt The Gloomy Reflections of Our Hidden Sorrows aus dem Jahr 1992 erschien beim mexikanischen Label Horus Records und wurde für seinen wilden, schnellen und extremen Death Metal bekannt, wobei sich die Texte von Gore hin zu spirituellem Tod und menschlichem Verfall wandten. Die türkische Cenotaph zielt in eine andere Richtung, in eine zermalmendere und rauere Spielart. Fans weisen selbst darauf hin: Die türkische Band sollte nicht mit der weniger bekannten, aber einflussreicheren mexikanischen Band gleichen Namens verwechselt werden. Wer also ein Konzert unter dem Banner CENOTAPH Žabčice plant, sollte beim Veranstalter nachfragen, welche der beiden tatsächlich eingeladen wird.
Sound wie ein Monster: Was die türkische Cenotaph auszeichnet
Die Basis bilden langsame Slam-Passagen im Wechsel mit einem Hagel aus Blast Beats und ein unmenschlich tiefer Gutturalgesang. Die Texte sind nicht zu verstehen - und das ist Absicht.
Die türkische Cenotaph setzt nicht darauf, verstanden zu werden. Ihr Sound basiert auf einer Kombination aus Slam-Grooves und kompromisslosen Blast-Beat-Passagen, die vom oft nahezu subsonisch tiefen Gutturalgesang von Batu Çetin gekrönt werden - der treibenden Kraft der Band und ihrem einzigen verbliebenen Gründungsmitglied. Und das geht weit über die übliche Grenze des Genres hinaus: Batus Gesang gehört zu den am wenigsten menschlich klingenden im gesamten Death Metal, wie ein dauerhaftes Kreischen auf die niedrigstmögliche Ebene heruntergeschraubt, dessen nächste Entsprechung der Gesang von Wormed ist. Der Sänger selbst geht damit ohne Umschweife um. In einem Interview für Transcending Obscurity sagte er, dass ihm die Texte im Brutal Death Metal nicht so viel bedeuten, weil es wichtiger sei, wie tief und guttural die Stimme klingt, ob es ein natürlicher Ausdruck ohne Effekte ist, und dass der Gesang im Brutal Death Metal eben wie ein Monster klingen soll.
Die Band lässt sich dabei nicht eindeutig in eine Schublade stecken. Sie gehört zu den frühesten Namen des Slam Death Metal, wenn auch nicht hundertprozentig, denn laut Batu balancieren sie auf der Grenze zwischen Slam und klassischem Brutal Death Metal. Er selbst beschrieb es auf seine Weise: Es ist eine schmale Grenze, und so verwenden sie zwar Grooves und slammende Parts, aber auf ihre eigene Art, weil sie sich nicht als Slam-Band fühlen, sondern als Brutal-Death-Band. Wer es mag, wenn die Klangfläche plötzlich in einen stampfenden Groove verlangsamt und dann wieder explodiert, wird sich darin wiederfinden.
Unerwartet eigenständig ist der Inhalt der Texte, der gegen die Klischees des Genres geht. Batu lehnt das ab, was er als abgedroschenes Thema betrachtet, das bereits von frühen Alben von Cannibal Corpse etabliert wurde, und zielt in eine andere Richtung: Die Texte von Cenotaph sind eher Science-Fiction oder eine andere Art von Gore, über Mutationen, Krankheiten, Epidemien, unbekannte Wesen aus anderen Dimensionen und Zeiten, Viren oder psychische Störungen. Das neueste Album hat das als Gesamtwerk zu Ende gedacht. Precognition to Eradicate ist ein Konzeptalbum, das die Geschichte einer surrealen Dystopie erzählt, die von außerirdischen Wesen beherrscht wird.
Von Demokassetten zum Maryland Deathfest: Eine Geschichte aus Ankara
Die Band wurde 1993 gegründet, durchlief unzählige Besetzungen, und Batu Çetin blieb als einzige Konstante. Aus dem Ankaraer Untergrund schaffte sie es bis zu großen Übersee- und Europafestivals.
Der Anfang war keine professionelle Kalkulation. Die Mitglieder waren bei der Gründung der Band noch auf der Oberschule, und Batu hatte bei der Veröffentlichung des ersten Albums gerade seinen neunzehnten Geburtstag hinter sich. Im türkischen Umfeld, das gewiss keine Death-Metal-Großmacht war, war das ein ordentliches Risiko. Cenotaph wurde vom Sänger Batu Çetin mit einigen Freunden im Jahr 1993 gegründet, und die vollständige Besetzung fand die Band im Sommer 1994 zusammen. Das erste Demo Life Immortal erschien 1995, und seitdem hat die Band sieben Studioalben veröffentlicht, wobei Batu Çetin das einzige ständige Mitglied der Besetzung geblieben ist.
Der Weg aus der heimischen Szene führte über Aufnahmestudios in Istanbul. Im Sommer 1996 betrat die Band das Studio Yeşilkart in Istanbul, nahm das achtteilige Debütalbum Voluptuously Minced auf und unterzeichnete beim Label Hammer Müzik; die Platte wurde dann auf CD in etwa fünfundzwanzig Länder vertrieben. Batu zog in der Zwischenzeit für einige Jahre nach Europa. 1999 zog er nach Salzburg in Österreich und kehrte erst 2007 in die Türkei zurück.
Im Laufe der Jahre schaffte es die Band auch über den Ozean. Im Jahr 2006 spielte sie beim Maryland Deathfest, den sie als riesiges und großartiges Festival und eine bedeutende Erfahrung beschreibt. Und sie hat auch eine feste tschechische Spur. Cenotaph spielte auf großen Festivals wie dem Brutal Assault und zählt Auftritte in Tschechien zu ihren liebsten Konzerten, daneben Berlin, den Maryland Deathfest oder das Schweizer Mountains of Death. Wer Interpreten abseits der üblichen skandinavisch-amerikanischen Pfade entdecken möchte, sollte sich auch die weiteren Namen in unserer Übersicht der Interpreten ansehen.
Am Schlagzeug tauchten bei der Band auch Namen auf, die jeder Genrefan kennt. Das fünfte Album Putrescent Infectious Rabidity wurde am Schlagzeug von Lille Gruber eingespielt, bekannt von Defeated Sanity, und bis 2021 hatte die Band sieben Studioalben veröffentlicht. Batu hat rund um Cenotaph außerdem eine breitere Bewegung aufgebaut. Er besitzt und betreibt das Underground-Label und den Vertrieb Drain Productions und gründete 2006 die Bewegung TRDM, über die er begann, Konzerte und weitere Aktivitäten für lokale türkische Brutal-Death-Metal-Bands zu organisieren. Und das alles ohne die Unterstützung großer Labels: Obwohl Cenotaph nie bei einem großen Label unterschrieben hat und nur wenig Promotion erhielt, hat sich die Band zu einem recht bekannten Namen entwickelt und gehört zu den wenigen Death-Metal-Bands aus Westasien und dem Nahen Osten, die nennenswerten Erfolg erzielt haben.
Was beim Brutal-Death-Metal-Konzert zu erwarten ist
Kurze, dichte Sets, Druck im Magen statt Melodien und ein Publikum, das sich um Moshpit und Circle Pit genauso kümmert wie um die Musik selbst. Neulinge müssen sich nicht fürchten, aber es hilft, das vorher zu wissen.
Brutal Death Metal ist eine spezielle Disziplin, und Batu beschrieb sie selbst realistisch. Bei europäischen Festivals genießen die Leute laut ihm vor allem die Atmosphäre, kommen wegen der Gemeinschaft und des Biers, moshen und machen Circle Pits, und kaum jemand hört dort mit dem Ohr eines Kenners zu. Das ist kein Vorwurf, eher eine Beschreibung des Elements: Energie, Bewegung und ordentliches Chaos.
Für absolute Neulinge ein paar praktische Hinweise. Gutturalgesang und Blast Beats verschmelzen beim ersten Hören zu einer einzigen Klangwand; gebt euch zwei bis drei Songs Zeit, bis das Ohr den Rhythmus und die Slam-Verlangsamungen herausfindet. Im Moshpit gilt eine ungeschriebene Regel: Wer fällt, wird von den Umstehenden aufgehoben. Ohrstöpsel sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vernunft, besonders in einem kleineren Club, wo die Bühne zum Greifen nah ist. Und wer das Genre nur erkunden möchte, stellt sich am besten hinten zum Mischpult, von wo der Sound meist am ausgewogensten ist.
Kleinere Clubs haben für solche Konzerte ihren eigenen Charme. Nah an der Bühne, Gemeinschaftsatmosphäre, keine unpersönlichen Hallen. Wer sich einen Überblick über das Konzertangebot quer durch die Republik verschaffen möchte, schaut in die Rubrik Konzerte, wo sich Genres und Städte filtern lassen.
Žabčice und wie man ein solches Konzert im Blick behält
Žabčice ist eine kleine Gemeinde in Südmähren nahe Brünn. Underground-Konzerte verschwinden schnell vom Radar, also verfolgt die offiziellen Kanäle der Band und kauft über den verifizierten Vorverkauf der jeweiligen Veranstaltung.
Dass ein weltbekannter Underground-Name aus Ankara in einem kleinen südmährischen Dorf zwischen Brünn und Židlochovice landet, klingt auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Genau davon lebt aber die tschechische Extreme-Szene: Große Namen tauchen hin und wieder an unerwarteten Orten auf, im Kulturhaus, in einer Kneipe mit Saal oder bei einem kleinen Open Air, zu dem die halbe Republik anreist. Wenn man also irgendwo auf einem Plakat den Begriff CENOTAPH Žabčice sieht, sollte man das als Einladung verstehen, die Details zu überprüfen, nicht als gesicherte Tatsache.
Bei Bands dieser Art gilt, dass ein Konzert nicht unbedingt in jedem großen Vorverkauf auftaucht. Cenotaph kommuniziert hauptsächlich über eigene Kanäle, darunter das Bandcamp-Profil und soziale Netzwerke, wo auch konkrete Europatermine angekündigt werden. Termin und Ort sollte man daher direkt beim Veranstalter der Veranstaltung überprüfen, damit einen ein Clubwechsel oder eine Verlegung auf einen anderen Tag nicht überrascht. Tickets kauft man über den offiziellen Vorverkauf der jeweiligen Veranstaltung oder direkt vor Ort, wenn der Veranstaltungsort das ermöglicht; bei kleineren Konzerten ist die Kapazität oft begrenzt und es werden in letzter Minute Restkarten verkauft. Wer den Überblick behalten möchte, was wo geplant ist, sollte regelmäßig den Veranstaltungskalender im Auge behalten.
Häufige Fragen
Welche Cenotaph spielt eigentlich unter dem Begriff CENOTAPH Žabčice?
Meistens handelt es sich um die türkische Brutal-Death-Metal-Band aus Ankara. Cenotaph ist eine türkische Brutal-Death-Metal-Band, die in Datenbanken als in den 90er Jahren gegründet geführt wird. Überprüft aber immer bei der konkreten Veranstaltung, wen der Veranstalter tatsächlich einlädt, denn sie mit dem mexikanischen Namensvetter zu verwechseln ist leicht.
Welches Genre ist von Cenotaph zu erwarten?
Brutal Death Metal an der Grenze zum Slam. Charakteristisch ist die Mischung aus Slam-Grooves und Blast Beats mit extrem tiefem Gutturalgesang. Das ist keine melodische Musik zum Kaffeetrinken, sondern ein intensives, körperliches Erlebnis.
Wer ist das Gesicht der Band?
Sänger und Gründer Batu Çetin. Die Band durchlief eine Reihe von Besetzungswechseln, und er ist das einzige ständige Mitglied geblieben. Genau sein Gesang gibt Cenotaph ihre unverwechselbare Handschrift.
Ist Cenotaph noch eine aktive Band?
Ja, die Band nimmt auf und tritt auf. Das siebte Album Precognition to Eradicate erschien am 13. Oktober 2021. Sie gehen regelmäßig auch auf Europatournee, sodass sie bei uns von Zeit zu Zeit auftauchen.
Schafft das auch jemand, der Brutal Death Metal noch nie gehört hat?
Ja, man sollte nur mit einem Ansturm rechnen. Den Gesang wird man nicht verstehen, und das ist Absicht, denn laut der Band selbst sind die Texte für sie ohnehin zweitrangig. Gebt euch ein paar Songs Zeit, stellt euch zunächst weiter von der Bühne weg und begreift es als körperliches Erlebnis, nicht als melodisches Konzert.
Quellen
- Wikipedia: Cenotaph (band) - Geschichte, Diskografie und Besetzung der türkischen Band aus Ankara
- Encyclopaedia Metallum (Metal Archives) - Bandprofil und Batu Çetin, Gründungsjahr und die Bewegung TRDM
- TV Tropes: Cenotaph - Charakterisierung des Sounds, Vergleich des Gesangs und Unterscheidung der gleichnamigen Bands
- Transcending Obscurity (tometal.com) - Interview mit Batu Çetin über Texte, Slam und die Europatournee
- Last.fm - Übersicht über neun Bands namens Cenotaph und Biografie des mexikanischen Namensvetters
- Bandcamp (cenotaph666) - offizieller Kanal der Band mit angekündigten Konzerten
- kdykam.com - Konzerte, Veranstaltungskalender und Interpreten zur Überprüfung konkreter Termine und Orte